ABU-Ratgeber

Lernsituation erstellen: Vorlage und Beispiel Schritt für Schritt

Die leere Seite vor der ersten selbst gebauten Lernsituation ist für viele ABU-Lehrpersonen der schwierigste Moment der Reform 2030. Was gehört hinein, in welcher Reihenfolge, und wie wird aus einem Thema eine echte Handlungssituation? Dieser Leitfaden liefert eine klare Vorlage mit allen Bausteinen — und ein durchgängig ausgearbeitetes Beispiel, an dem du jeden Schritt nachvollziehen kannst.

Bevor du schreibst: drei Dinge klären

Eine gute Lernsituation beginnt nicht beim Text, sondern bei drei Entscheidungen:

  • Handlungskompetenz: Welche Kompetenz des neuen Rahmenlehrplans (nRLP) sollen die Lernenden aufbauen und zeigen?
  • Aspekt und Lernbereich: In welchem Aspekt des Lernbereichs Gesellschaft (z. B. Recht, Wirtschaft, Ökologie) spielt die Situation — und welche Rolle spielt Sprache und Kommunikation?
  • Zielgruppe: Welcher Lehrgang, welches Lehrjahr, welche Vorkenntnisse?

Erst wenn das steht, lohnt sich das Schreiben. Was handlungskompetenzorientierter Unterricht genau bedeutet, erklärt der Beitrag Handlungskompetenzorientierter Unterricht im ABU.

Die Vorlage: sechs Bausteine

Jede Lernsituation lässt sich auf sechs Bausteine herunterbrechen. Diese Vorlage kannst du für jedes Thema wiederverwenden:

  1. Ausgangslage / Persona — eine realitätsnahe Situation mit einer Person, in die sich die Lernenden hineinversetzen. Sie stellt das Problem, ohne die Lösung vorwegzunehmen.
  2. Auftrag mit Handlungsprodukt — was die Lernenden konkret erarbeiten und abgeben (z. B. eine Stellungnahme, ein Budget, ein Konzept). Ohne echtes Produkt keine Handlungssituation.
  3. Benötigtes Wissen — die Inhalte und Begriffe, welche die Lernenden für die Bearbeitung brauchen.
  4. Bearbeitung — der Ablauf: einzeln, in Gruppen, mit welchen Hilfsmitteln, in welcher Zeit.
  5. Reflexion und Transfer — die Lernenden lösen sich vom Einzelfall und übertragen das Gelernte auf eine neue Situation.
  6. Beurteilungskriterien — woran das Handlungsprodukt gemessen wird, transparent von Anfang an.

Beispiel: dieselbe Vorlage, ausgefüllt

Nehmen wir das Thema Mietrecht (Aspekt Recht):

  • Ausgangslage: Nadia (18) zieht in ihre erste WG. Nach zwei Monaten kündigt die Verwaltung überraschend eine Mietzinserhöhung an. Nadia ist unsicher, ob das erlaubt ist.
  • Auftrag / Handlungsprodukt: Die Lernenden verfassen für Nadia eine begründete schriftliche Stellungnahme an die Verwaltung — mit Bezug auf die rechtliche Lage.
  • Benötigtes Wissen: Grundzüge des Mietrechts, Fristen, Form der Anfechtung, verlässliche Quellen.
  • Bearbeitung: Einzelrecherche, Austausch in Zweiergruppen, dann individuelle Ausarbeitung (2 Lektionen).
  • Reflexion und Transfer: Was davon gilt auch bei einer Kündigung? Die Lernenden übertragen das Vorgehen auf einen zweiten Fall.
  • Beurteilungskriterien: sachliche Richtigkeit, korrekte Quellennutzung, adressatengerechte Sprache, nachvollziehbare Begründung.

Fertig ist eine vollständige Lernsituation — aus sechs Bausteinen.

Häufige Stolpersteine

Nicht bei null beginnen

Du musst nicht jede Lernsituation selbst schreiben. Der ganze Prozess im Überblick steht im Beitrag HKO-Unterrichtsmaterialien erstellen, und wer lieber mit einer fertigen Grundlage startet, findet fertige Lernsituationen als Vorlage — handlungskompetenzorientiert, differenziert und druckfertig.

Fazit

Eine Lernsituation zu erstellen ist kein Geheimwissen: eine realitätsnahe Ausgangslage, ein klares Handlungsprodukt, das nötige Wissen, ein durchdachter Ablauf, Reflexion und transparente Kriterien. Mit dieser Vorlage baust du jedes Thema reformkonform auf — und mit einem fertigen Beispiel als Startpunkt geht es noch schneller.