ABU-Ratgeber

Lernsituationen im ABU: Aufbau und Beispiele

Lernsituationen sind das Herzstück des handlungskompetenzorientierten ABU. Wer nach der Reform 2030 unterrichtet, plant den Unterricht nicht mehr entlang von Fächern, sondern entlang realitätsnaher Situationen, an denen Lernende handeln und Kompetenzen zeigen. Dieser Beitrag zeigt, was eine Lernsituation ausmacht, wie sie aufgebaut ist und liefert konkrete ABU Lernsituationen Beispiele für die eigene Unterrichtsplanung.

Was ist eine Lernsituation?

Eine Lernsituation ist eine realitätsnahe, problemhaltige Situation aus der persönlichen, beruflichen oder gesellschaftlichen Lebenswelt der Lernenden. An ihr werden Handlungskompetenzen erworben und sichtbar gemacht. Statt Wissen isoliert abzufragen, stellt die Lernsituation eine echte Herausforderung in den Mittelpunkt, die Lernende möglichst selbstständig bearbeiten.

Damit verschiebt sich der Fokus: weg von der Frage «Was sollen die Lernenden wissen?», hin zu «Was sollen die Lernenden in einer konkreten Situation tun können?». Genau diese Verschiebung macht den Kern der Handlungskompetenzorientierung aus.

Merkmale einer guten Lernsituation

Nicht jede Aufgabe ist schon eine Lernsituation. Eine tragfähige Lernsituation erfüllt mehrere Merkmale gleichzeitig:

  • Realitäts- und Lebensweltbezug: Die Situation ist aus Sicht der Lernenden echt und glaubwürdig.
  • Verortung: Zeit, Raum, beteiligte Personen und relevante Objekte sind erkennbar.
  • Eine echte Problemstellung: Es gibt ein Problem zu lösen, keine blosse Reproduktion von Wissen.
  • Affektiver Bezug: Die Situation berührt die Gefühls- und Erfahrungswelt der Lernenden.
  • Intellektuelle Herausforderung: Das Problem fordert auf einem angemessenen kognitiven Niveau heraus, typischerweise Anwenden und Analysieren statt reines Erinnern.
  • Ein konkretes Handlungsprodukt: Am Ende steht ein fassbares Ergebnis, etwa eine Stellungnahme, eine Empfehlung oder eine Präsentation.
  • Bezug zu Schlüsselkompetenzen und Lernbereichen: Die Situation knüpft an die Schlüsselkompetenzen sowie an die Lernbereiche Gesellschaft und Sprache und Kommunikation an.
  • Relevanz und Differenzierbarkeit: Die Kompetenzen sind in der Lebenswelt bedeutsam, und die Situation lässt sich auf verschiedene Niveaus anpassen.

Diese Merkmale gehen auf etablierte didaktische Modelle zur Konstruktion von Lernsituationen zurück und dienen als Checkliste, bevor eine Situation in den Unterricht geht.

Aufbau einer Lernsituation Schritt für Schritt

Eine Lernsituation lässt sich entlang einer klaren Abfolge aufbauen:

  1. Ausgangssituation und Problem — eine konkrete Situation schildern, in der ein Problem erkennbar wird, idealerweise aus der Ich-Perspektive der Lernenden.
  2. Auftrag mit Handlungsprodukt — präzise festlegen, was zu tun ist und welches fassbare Produkt entsteht.
  3. Benötigtes Wissen — bestimmen, welches Sach- und Fachwissen für die Bearbeitung nötig ist und wie es bereitgestellt wird.
  4. Bearbeitung — die Lernenden arbeiten möglichst selbstständig an der Lösung.
  5. Reflexion und Transfer — das Vorgehen reflektieren und das Gelernte auf andere Situationen übertragen.
  6. Beurteilung anhand transparenter Kriterien — die Leistung wird an vorab bekannten, kompetenzorientierten Kriterien bewertet.

Als Strukturmodell für die Bearbeitungsphase eignet sich IPERKA: Informieren, Planen, Entscheiden, Realisieren, Kontrollieren, Auswerten. IPERKA gibt den Lernenden ein Gerüst, mit dem sie eine Handlung eigenständig durchführen und überprüfen.

Drei konkrete ABU Lernsituationen Beispiele

Die folgenden Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Lernsituationen aussehen können:

  • Konsum und Nachhaltigkeit: Die Lernenden vergleichen zwei vergleichbare Produkte hinsichtlich Preis, Qualität und ökologischen Folgen und verfassen eine begründete Konsumentscheidung. Handlungsprodukt ist ein kurzer, argumentativer Entscheid.
  • Recht im Alltag: Die Lernenden prüfen einen Mietvertrag auf einen konkreten Mangel und formulieren eine sachliche Reklamation beziehungsweise Stellungnahme an die Vermieterin. Handlungsprodukt ist ein adressatengerechtes Schreiben.
  • Digitale Identität und Medien: Die Lernenden analysieren ihren eigenen digitalen Fussabdruck und erstellen eine begründete Empfehlung, wie sie ihre Daten künftig bewusster steuern. Handlungsprodukt ist eine kompakte Empfehlung mit Begründung.

Jedes Beispiel verbindet eine echte Problemstellung, ein konkretes Handlungsprodukt und einen Bezug zu mehreren Aspekten des Lernbereichs Gesellschaft sowie zur Sprache und Kommunikation.

Lernsituationen im Unterricht einsetzen

Lernsituationen entfalten ihre Wirkung, wenn Auftrag, benötigtes Wissen und Beurteilungskriterien von Anfang an zusammen gedacht werden. Wer nicht jede Situation von Grund auf neu entwickeln möchte, kann auf bestehende Materialien zurückgreifen und sie an die eigene Klasse anpassen.

Fazit

Lernsituationen machen den ABU nach Reform 2030 handlungsorientiert: Sie gehen von einer echten Situation aus, fordern ein konkretes Handlungsprodukt und werden an transparenten Kriterien beurteilt. Mit den Merkmalen und dem Aufbauschema lassen sich eigene Situationen gezielt konstruieren. Wer direkt loslegen will, findet hier druckfertige Lernsituationen für den ABU — differenziert und einsatzbereit für den Unterricht.